WOHIN IST DIE NACHT GEGANGEN?

Ich male den Lidstrich wie in Trance zuende, starre mich im Spiegel an und befinde das Ergebnis der allgemeinen Aufmacherei für gut. Wir sitzen im Auto, das ist schon fast Luxus. Für das pinke Band am Handgelenk blechen wir 10€, aber wenigstens müssen wir nicht viel für Bier ausgeben, die Kurzen in der Tasche tun es auch. Es sind mehr bekannte Gesichter da als erwartet und ich bin positiv überrascht. Sogar die Musik ist erträglich. Eigentlich geht es mir gut. Ich habe Spaß. Doch die Nacht rennt und viel zu schnell stehen wir wieder draußen, müde und untätig. Zu Hause flüstere ich meiner Mutter eine gute Nacht zu und verkrieche mich in meine Höhle, wie ein Kind. Was haben wir heute gemacht? Wir haben getanzt, gesungen, getrunken, gefeiert. Aber im Nachhinein verschwimmt der Abend mit vielen anderen zuvor. Sie ergeben einen Erinnerungsbrei. Besonders stechen sie nicht hervor. Auf einmal komme ich mir stumpfsinnig vor, gewöhnlich und ziellos. Der Wunsch nach mehr kriecht in mir hoch, beißt sich in meinem Kopf fest und schüttelt mich, während ich starr ins Dunkel blicke. Mehr. Was auch immer, aber bitte mehr davon. Etwas besonderes, bewegendes, das mich wachrüttelt. Ich presse die Lippen zusammen und schließe die Augen, um mich vor dieser Leere in den Schlaf zu flüchten. Eigentlich geht es mir gut.

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