DER NACHKRIEGSZUSTAND DES NÄCHSTEN TAGES
Ich wache in meinem Bett auf. Wie bin ich hier her gekommen? Eine Weile bleibe ich liegen und starre auf den Wecker. Samstag. Aber eigentlich ist es ja auch egal. Meine Kehle brennt und ich taste nach Wasser, greife ins Nichts. Nur sehr langsam setze ich die Füße auf den Boden, alles fühlt sich taub an. Meine Wimpern kleben zusammen und in meinem Mund pappt ekelerregend die Party von gestern, offenbar habe ich es nicht mehr ins Bad geschafft. Ich spüle den Mülleimer aus, in den ich mich nachts erbrochen habe. Mittlerweile ist das Routine, ich kann nicht schlafen, wenn in meinem Magen und meinem Kopf noch alles dreht. Der sonst so bestialische Gestank nach Essigreiniger schlägt mir ins Gesicht. Ich bin froh darüber. Heute riecht er nach Ordnung und Sitte. Den Blick in den Spiegel vermeide ich, bis ich dazu gezwungen werde. Meine eigenen Finger spüre ich kaum, als ich mir die Farbe wie eine Maske auf der Haut verteile, um die Blässe und die Augenringe von gestern zu übermalen, die mich aussehen lassen wie eine Tote. In meinem Bauch spüre ich noch die Randale, ich kaue Kaugummis wie wild, um irgendwie dieses Nachkriegsgefühl in mir los zu werden. ‚Unnötig’ schießt es mir durch den Kopf. Gestern war ja nicht mal gut. „Remember to breathe“ singt mir mein iPod ins Ohr, während ich aus dem aufgerissenen Fenster starre, aus dem der Dunst einer nichtssagenden Nacht entweicht. Ein gut gemeinter Ratschlag. Das hätte ich fast vergessen.
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