MILCHAUGEN

Ich stehe in der Küche und fühle mich leer und ausgesaugt. Es kommt ganz plötzlich über mich und ich muss innehalten, während ich den Teller abspüle, und starre nur vor mich hin, abwartend, bis es wieder aufhört. Ich fühle mich alleine und unerwünscht, obwohl niemand im Raum ist. Der Schritt zurück macht mir Angst, die Zukunft ist noch viel furchteinflößender. "Reiß dich zusammen" zische ich mir selbst ins Ohr, während ich alles nur noch halb so schnell erledige. Spüren tu ich das alles nicht und ich wünschte, jemand würde mich kneifen. 

Langsam wird es Zeit. Zur Maskierung brauche ich immerhin eine halbe Stunde. Das Mädchen im Badezimmerspiegel kleistert sich die Poren mit Farbe voll, ihre Haut ist nicht grad die reinste, ihre Augenringe wirken tiefer als sonst und ihre Haare sehen furchtbar aus. Angeekelt - nicht vor mir selbst, sondern vor dem was ich tue um Leuten zu gefallen, die ich nicht kenne und um mich draußen wohl zu fühlen, was einfach eine widerliche Tatsache unserer Gesellschaft ist - halte ich inne. Der Ausdruck in meinen Augen ist leer und gleichgültig, aber wer achtet da schon drauf? Spätestens nach zwei Bieren sehen doch eh die meisten genau so aus. Milchäugig grinsen sie sich durch die Nacht und ich schließ mich hinten an.

1 Kommentare:

Jenny | 25. April 2011 um 04:16

ich schreibe deren webseite an,
und frage ob ich was testen dürfte!
schöner blog, verfolge dich mal :-)

liebe grüße
http://andnowtakemyhand.blogspot.com/

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